Münnerstadt im Frankenland

Stadtgeschichte

"In Franken nit die Geringste bist,

du Münnerstadt zu dieser Frist ..."


Der große Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn lässt 1612 diesen Spruch an der Stadtpfarrkirche in Stein meißeln. Er unterstreicht so die besondere Bedeutung seiner Stadt Münnerstadt.


Die Anfänge


Bereits lange vor Christi Geburt siedeln im Lauertal bei Münnerstadt Menschen wie zahlreiche Funde aus Jungsteinzeit und Hallstattzeit belegen. Kelten, später Thüringern und Franken dient der Michelsberg westlich der Stadt als Fliehburg. Die Bergkuppe bietet Schutz vor Feinden. 770 nach Christus taucht erstmals der Name "Munirihestat" in einer Schenkungsurkunde auf: Das Ehepaar Egi und Sigihilt vermacht seinen Grundbesitz zu Munirihestat dem Koster Fulda.


Bald gerät der aufblühende Ort in den Besitz der Grafen von Henneberg. Sie errichten östlich des in der Urkunde von 770 erwähnten Altortes am Zusammenfluss von Lauer und Talbach eine Talburg. Um sie herum entsteht rasch der neue Ort Münnerstadt, den ab etwa 1250 eine stattliche Stadtmauer mit vier großen Tortürmen schützt.


Um 1230 übernehmen die Priester und Ritter des Deutschen Ordens die Pfarrei in Münnerstadt, 1279 gründen die Mönche des Augustinerordens ein Kloster in der Stadt. Um 1280 sind Märkte nachweisbar, 1335 werden von Kaiser Ludwig dem Bayern Stadtrechte verliehen. 1354 gelingt es dem Würzburger Fürstbischof einen Teil der Stadt zu erwerben. Münnerstadt hat nun neben den Hennebergern einen weiteren Stadtherren.


Blütezeit


Handel und Handwerk gedeihen prächtig. Münnerstadt ist ein einflussreiches Wirtschaftszentrum im nördlichen Unterfranken und der Rhön. Bürger und Stadt werden reich. Noch heute heißt es im "Rhöner Kreis", einem Spruch über die Städte in der Bayerischen Rhön: "Mürscht (Münnerstadt) hat´s Geld!"


Mächtige Bürgerhäuser umrahmen den Marktplatz, auf dem sich Rat und Bürgerschaft ab 1467 ein stattliches Rathaus errichten. Der Deutsche Orden und wohlhabende Bürger beauftragen bedeutende Künstler mit der Ausstattung der majestätischen Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena: Tilman Riemenschneider, der große Bildschnitzer aus Würzburg, fertigt für das Gotteshaus sein erstes großes Werk. Der Altar zu Ehren der Kirchenpatronin gilt als ein besonderes Meisterstück. Anders als seinerzeit üblich, bemalt er die Schnitzwerke nicht farbig, sondern belässt sie in der Farbe des Lindenholzes. Dies gefällt den Münnerstädtern allerdings nicht. Sie beauftragen Veit Stoß, den berühmten Nürnberger Bildhauermeister, den Altar zu "vollenden". Er bemalt die Figuren und fertigt für die Außenseite der Altarflügel vier Tafelbilder mit Szenen aus der Kilianslegende. Die farbige Fassung des Altars ist im Lauf der Jahrhunderte wieder entfernt worden, doch die vier einzigartigen Tafelgemälde sind bis heute im Chorraum aufgehängt. Prächtige Glasfenster aus dem frühen 15. Jahrhundert bilden den einzigartigen Rahmen für diese weltberühmten Kunstwerke.


Reformation und Gegenreformation


Im Bauernkrieg bildet sich in der Stadt der Bildhäuser Haufen, der die reiche Zisterzienserabtei Maria Bildhausen brandschatzt. Die Reformation vertreibt die Augustiner und lässt eine starke evangelische Gemeinde entstehen. 1585 wird Fürstbischof Julius Echter alleiniger Stadtherr. Er setzt den katholischen Glauben durch und baut die Kirche eindrucksvoll um. Mehrere Hundert Protestanten, die sich standhaft weigern, den katholischen Glauben anzunehmen, müssen die Stadt verlassen.


Der Dreißigjährige Krieg


Der Dreißigjährige Krieg bringt großes Leid über die Bewohner. Es dauert lange, bis die einst mächtige Stadt wieder ihre frühere wirtschaftliche Stellung erreichen kann. 1660 wird, wie bereits von Echter geplant, ein Gymnasium gegründet, das bald von den zurückgekehrten Augustinern übernommen und zu großer Blüte geführt wird. 


19. Jahrhundert bis zur Gegenwart


1814 wird die Stadt in Folge der Säkularisierung bayerisch. Münnerstadt hat zu dieser Zeit noch einige wichtige Ämter, ist Verwaltungszentrum für die ländliche Umgebung mit Sitz eines Landgerichts. Doch nach und nach verliert die Stadt an Bedeutung. Ende des Zweiten Weltkriegs, am 8. April 1945, geht bei Bombardierungen und der Eroberung durch die Amerikaner wertvolle Bausubstanz in der Altstadt verloren, darunter die Marienkapelle in der Veit-Stoß-Straße und das Untere Tor. In den 1970er Jahren entsteht aus der Stadt Münnerstadt und zehn Gemeinden aus dem Umfeld bei der Gebietsreform die heutige Stadt Münnerstadt – mit ca. 93 Quadratkilometern Fläche.


Geblieben aus der reichen Geschichte sind die Kunstschätze und beeindruckende Bauwerke. Das Obere Tor, das Jörgentor mit seinem Vortor und der Dicke Turm zeugen bis heute von Wehrhaftigkeit der Stadt. Die mächtige Stadtpfarrkirche mit ihren berühmten Kunstwerken zieht viele Besucher an. Im Schloss der Deutschherren öffnet seit 1970 das Henneberg-Museum ein Fenster in die Vergangenheit. Die Augustinerklosterkirche ist ein Kleinod fränkischen Rokokos mit über 70 prachtvollen Figuren und Gemälden. Fachwerkhäuser, Tore, Türme - ein Gang durch Münnerstadt ist wie eine Reise in das Mittelalter. Wir laden Sie ein, mit uns auf diese Reise zu gehen!

Weitere Informationen:


Tourist-Information und Henneberg-Museum Münnerstadt
Deutschherrnstraße 18

97702 Münnerstadt

Telefon: +4997338105750

Mail: info@muennerstadt.de


"Das Sommerfest der Stadt steht auf dem Sprung. Ihr kommt just recht den Erntezug zu schauen."

Zitat aus dem Heimatspiel von Ludwig Nüdling

Bildnachweis  | Alle Fotos auf dieser Seite: Christine Schikora, Oliver Schikora; Weitere Infos